AKTUELL

"Ich habe HTML-Dokumente geschrieben, die bewußt den Browser zum Abstürzen gebracht haben", sagt auch der slowenische Netzkünstler VUK COSIC. "Ich bemerkte, daß irgendwo ein Fehler in meiner Programmierung war. Aber es genügte nicht, diesen Fehler zu vermeiden; ich habe wirklich versucht, sie zu verstehen." Auch das holländisch-belgische Künstlerpaar JODI, das bei der Documenta vertreten ist, übt sich im kreativen Mißbrauch der Internet-Protokolle. Ihre chaotisch-geordneten Seite strotzt nur so vor bewußt eingesetzten Programmierfehlern, die ihre Homepage wie den Alptraum eines Webdesigners aussehen läßt.

Auch diese kreative Dekonstruktion hat kunstgeschichtliche Tradition: Schon in den sechziger Jahren interessierten sich Videokünstler wie NAM JUNE PAIK weniger dafür, was man mit dem neuen Medium Video machen konnte, sondern was man mit ihm "nicht" machen sollte:

Auf einen Monitor installierte er einen starken Magneten, der das elektronische Bild zu einer eleganten Schleife verzerrte; später konstruierte er sogar einen eigenen "Videosynthesizer", um die Videobilder mit Farbeffekten zu verfremden oder ganz zu zerstören.

Andere Künstler, die im Internet arbeiten, kommen sogar direkt aus der Videokunst: Julia Scher, die in den achtziger Jahren in Galerien Überwachungskameras aufbaute, um auf die Omnipräsenz von Big Brother hinzuweisen, hat mit "SECURITYLAND" ihre erste Netzarbeit realisiert. Als "kleine Schwester des Großen Bruders" thematisiert sie in "Securityland" die Überwachungsmöglichkeiten, die das Internet bietet: An einer Stelle dieser Arbeit erfährt der erstaunte Internet-Surfer, mit welchem Computer und welcher Software er arbeitet, und wie seine E-mail-Adresse lautet. "How do you feel now?", fragt das Programm höflich seinen virtuellen Besucher.

mehr ...