In der Woche vom 12. bis 18. September findet weltweit der "Linux Demo Day 99" statt. Dort kann man besichtigen, worüber alle reden, was aber bisher nur die wenigsten benutzen: Linux, das alternative Betriebssystem, das viele Computerfreaks für die Allzweckwaffe halten, mit der man die weltweite Dominanz von Microsoft auf dem Software-Markt brechen kann.

Dazu wollen die Linux-User-Groups, die es rund um den Globus gibt, in ihren Heimatstädten Informationsstände aufbauen. Hier sollen interessierte Computeranwender, die zwar schon von Linux gehört, es aber noch nie im Alltagseinsatz gesehen haben, das beliebte Unix-Derivat und die dafür existierenden Applikationen ausprobieren können. Die zahlreichen Fragen um Linux sollen in bester Linux-Grassroots-Tradition von den Mitgliedern der Linux-User-Gruppen beantwortet werden. Bernd Sommerfeld von der Berliner Linux-User-Group (BeLUG):

"Bei Microsoft gibt es eine Hotline, bei Linux trifft man sich mit richtigen Menschen, um mit ihnen über Probleme und Fragen zu diskutieren."

Anlass der Großaktion ist der 8. Geburtstag des Betriebssystems, das in den letzten Monaten auch von den Mainstream-Medien zur Kenntnis genommen worden ist. Zwischen dem 12. und 18. September 1991 soll der Finne Linus Torvalds die erste Email abgeschickt haben, in der er die Idee formuliert hat, ein eigenes Betriebssystem für seinen 368er-Computer zu schreiben - heute der Gründungsmythos der Linux-Bewegung, die in den acht Jahren, die seither vergangen ist, ein stabiles Betriebssystem entwickelt hat, das die übermächtige Konkurrenz von Microsoft in punkto Performance weit übertrifft.

Initiatoren der Aktion sind Geeks aus der kalifornischen Bay Area. Auf ihrer Homepage, die sie für den Anlass aufgesetzt haben, finden sich ausführliche Informationen über den "Demo Day", der inzwischen tatsächlich von Gruppen fast aus der ganzen Welt unterstützt wird. Auf der Website befindet sich auch eine internationale Übersicht über alle "Linux-User-Groups", die an den Linux-Demo-Tagen teilnehmen.

Freuen dürften sich über den Demo Day auch die Unternehmen, die mit dem Betriebssystem, das umsonst im Internet heruntergeladen werden kann, ihr Geld verdienen. Firmen wie die deutschen SuSE oder TurboLinux aus den USA bieten das Betriebssystem auf CD-Roms an, und haben "Distributionen" entwickeln, die es Otto Normal-Computeruser leichter machen sollen, das Betriebssystem zu installieren und zu benutzen.

In den USA werden diese Firmen, wie auch RedHat, die vor einigen Wochen einen sensationellen Börsengang absolviert haben, an alle beteiligten Linux-User-Gruppen ein Gratisexemplar ihrer Software verschicken. In Deutschland gibt es eine Linux-Version von SuSE für alle teilnehmenden Gruppen.