Journalisten-Homepages im Internet

InSight-Rundreise zu den besten Seiten von deutschen Journalisten, die nicht nur Zeilen schinden - sondern auch HTML-Code

Von Tilman Baumgärtel

Klappern gehört zum Geschäft - bei freien Journalisten genauso wie bei Werbetextern, Grafikern, Web-Desigern und dem übrigen bunten Völkchen der freischaffenden Kreativen, die sich selbst schon einem Outsourcing unterzogen hatte, als es dieses Wort noch gar nicht gab. Inzwischen sind im Namen von "lean managment", "Unternehmensverschlankung" und "Gesundschrumpfen" viele unfreiwillige Freie und "Feste-Freie" dazu gekommen, und die Universitäten pumpen im Semester-Rhythmus neue Journalismus-Studienabgänger auf den leergefegten Arbeitsmarkt. Um in diesem Gewusel noch auf sich aufmerksam zu machen, muß man sich schon etwas einfallen lassen.

Nützlich kann dabei das Internet sein, das freien Journalisten das Leben sowieso schon etwas einfacher gemacht hat: Texte kann man per Email für ein paar Pfennige verschicken. Der vorausgegangene Austausch von Elektropost zwischen Redaktion und Schreiberling kann später bei Meinungsverschiedenheiten oder vor Gericht als Beweis herangezogen werden. Und im WorldWideWeb sind dringend benötigte Informationen manchmal schneller gefunden als in der Stadtbücherei. (Aber nur: manchmal...)

Eine gute Methode, um als freier Journalist auf sich hinzuweisen, ist es, sich eine eigene Homepage im WorldWideWeb zuzulegen. Denn es sieht nicht nur gut aus, wenn unter den eigenen Artikeln neben dem Autorenname auch http://www.irgendwas steht, sondern kann interessierten Arbeitgebern auch einen ersten Eindruck von einem potentiellen Mitarbeiter vermitteln.

Gerade bei Journalisten, die viel über Computer- oder Internetthemen schreiben, ist eine eigene Homepage eigentlich schon kein Statussymbol mehr, sondern fast schon eine Notwendigkeit, beweist sie doch, daß man im Netz nicht nur als "lamer"-Zaungast herumsurft, sondern wirklich "drin" ist. Zwar haben noch lange nicht alle Online-Journalisten ihre eigene Homepage (wie zum Beispiel der Autor dieses Beitrags, der mit seinen Urteilen darum auch ein bißchen zurückhaltend sein sollte), aber für Online-Journalisten wird dieser Mangel jeden Tag etwas peinlicher. Gerade Redakteure von Online-Magazinen schätzen es, wenn sie von dem Artikel in ihre E-Zine einen Link zu den Seiten ihrer Autoren legen können.

Im folgenden sollen daher einige Homepages von Journalisten vorgestellt werden, die sich im WorldWideWeb eine digitale Visitenkarte angelegt haben. Folgen Sie Ihrem Internet-Reporter darum bitte mit einem Mouse-Klick, und lernen Sie einige Netz-Journalisten kennen. Erfahren Sie, was diese Autoren außer Artikel-Dichten noch an ihrem Computer tun! Sehen Sie die Gesichter der Menschen, die hinter den Texten stehen! Und schicken Sie eine Email an ihren Lieblingsschreiber! Vielleicht antwortet er Ihnen sogar...

Von der Homepage der Journalisten-Internet-Mailingliste Jo!

Net (http://www.jonet.org), auf der hunderte von Kollegen über ihre Profession, das Internet, Medienpolitik und gelegentlich auch über vollkommen abwegige Themen diskutieren, kommen wir zum Beispiel auf die Seiten der beiden Seitenschöpfer: zu dem "list-owner" Jochen Wegner (http://www.jonet.org/jochen) und dem Web-Master Rainer Kayser (http://win.bda.de/bda/jp/home/rainer.kayser/index.html).

Wie wir dessen penibel gestalteten Seite entnehmen, ist er nicht nur Journalist, sondern auch Angesteller der Hamburger Sternwarte. Neben einem minutiösen Lebenslauf, wahlweise auch auf Englisch, gibt es jede Menge wissenschaftliche Artikel und Abstracts von Fachveröffentlichungen; journalistische Arbeiten sind allerdings etwas schwerer zu finden: der Link zum ARchiv von "Die Welt" führt zum sogar in ein merkwürdiges Code-Durcheinander. Dafür gibt es Hotlinks zu allen Zeitungen und Zeitschriften, für die Kayser arbeitet, außerdem eine minutiöse Linkpage, die WWW-Quellen zu seinen Fachgebieten versammelt: Physik, Astronomie, Medizin, Raumfahrt, und als Bonus noch ein bißchen Literatur und Journalismus. Sehr lobenswert: eine "Text Only"-Version für Leute mit älteren Browsern gibt es ebenfalls.

Auch bei der "Heimstatt" von Jochen Wegner ("Kommen Sie herein, fühlen Sie sich wie zuhause") gibt es reichlich Informationen über ihren Hausherren. Die "private Baustelle" präsentiert mit gut eingesetzten Frames Arbeitsproben, Curriculum Vitae, Exposes von Vorträgen, und außerdem ein Fotoalbum mit Bildern von einer Reportage, bei der der Autor kräftig durchschüttelt wurde.

Beim Journalistenpool (http://www.

NordWest.

POP.

DE/bda/jp/) können sich Schreiberlinge umsonst eine eigene Homepage anlegen. Soweit wie beim amerikanischen Vorbild Reporter Network (http://www.reporters.net), bei dem sich schon über tausend Journalisten angemeldet haben, ist man hier allerdings noch nicht: Zwar stehen hundert Autoren auf einer Namensliste, aber nur von wenigen Namen führt ein Link zu einer eigenen Homepage - und die sind oft mager. Selbst Detlef Borchers (http://www.

NordWest.

POP.

DE/bda/jp/home/detlef.borchers/), einer der bekanntesten deutschen Internet-Fachjournalisten, hat auf seiner Seite wenig mehr als drei Links zu Artikeln von 1996. Bei anderen steht nichts außer dem Namen auf der Homepage.

Sehr professionell ist dagegen die Seite von Andreas Lerg (http://members.aol.com/andlerg/anfrage.htm) auf dem AOL-Server, der dem User gleich ein ganzes Formular anbietet, auf dem der seine Wünsche angeben kann: Text? Webseite? Rechercheauftrag? Einfach die "Anfrage"-Seite ausfüllen, auf "Abschicken" geklickt, und schon geht das Ganze als Email an Lerg. Außerdem erfahren wir, daß sein Spezialgebiet "kompetente Berichterstattung über die Region Rheinhessen" und über Rettungsdienste ist. Dazu gibt es auch einige "Gedanken zu Rheinhessen".

Ebenfalls sehr dienstleistungsorientiert sind die Seiten von Rene Meyer und seiner Leipziger "Schreibfabrik" (http://ourworld.compuserve.com/homepages/schreibfabrik/) bei CompuServe. Neben einer beeindruckenden Liste von Meyers Computerbüchern finden wir eine Selbstdarstellung seines Journalistenbüros. Außerdem erfahren wir unter "Rene unplugged", daß er immer noch mit der Software "Starwriter" schreibt, und eine Sammlung von DDR-Computern hat. Aber ob das Motto "Man kann ein Thema auch totrecherchieren" wirklich Vertrauen in die Fähigkeiten dieses Mitarbeiters weckt?

Dieter Grönling (http://ourworld.compuserve.com/homepages/groenling/), der für "die tageszeitung" eine wöchentliche Internet-Kolume schreibt, teilt uns auf seiner Homepage ("No Java! No Cookies! No Bullshit! Just Grönling!") als erstes mit, daß er uns nichts zu mitteilen hat. Dann ist ihm wohl doch noch was eingefallen, denn hier gibt es einiges zu er-klicken. Auf der selbsternannten "ewigen Baustelle" findet man unter anderem Reklame für sein Buch, ein Foto von Grönling mit Telefonhörer am Ohr, diverse launige Bemerkungen und ein GIF mit einem hüpfenden Bauarbeiter (Oder ist das ein Hacker? Oder ein Computervirus?)

Vorbildlich ist die Homepage von dem Münchern Fotografen Reto Zimpel bei AOL (http://members.aol.com/retozimpel/index.html): Das Internet-Portofolio enthält jede Menge Arbeitsproben, unter anderem Pressefotos von demonstrierenden Neonazis, Grace Jones und München im Winter. Besonders spektakulär sind Bilder von einem Mann, der mit einer Gaspistole auf Zimpel schoß, während der ihn fotografierte. So wird´s gemacht! Diese Selbstdarstellung dürfte interessierte Auftraggeber überzeugen.

Ebenfalls sehenswert die Homepage von Thomas Knieper (http://www.

NordWest.

POP.

DE/bda/jp/home/thomas.knieper/), der ein Archiv von Cartoons angelegt hat (http://cartoons.ifkw.uni-muenchen.de/cartoons/). Hier kann man Karikaturen zu den verschiedensten Themen suchen (und diese hoffentlich nicht herunterladen, um sie in der eigenen Zeitung zu recyceln!!!).

Festangestellte Journalisten legen auf ihren Homepages weniger Wert auf Selbstdarstellung: Jochen Becker (http://members.aol.com/JochenBeck/index.html) ist Redakteur beim MDR, und hat auf seinen Seiten wenig über sich selbst und viel über seinen Interessensgebieten: Mystik, Horror und Babies (Wie das wohl zusammenpaßt?) Spiegel-Online-Redakteur Lorenz Meyer-Lorenz (http://www.well.com/user/lorenzl/autor.html) hat in seinem digitalen Internet-"Heim" außer einem Blick auf seinem Fenster, zwei Fotos von sich sowie - wow!- 38 Artikel.

Wer sich selbst eine Seite im Internet anlegen will und keine Lust hat, den WorldWideWeb-Code HTML zu lernen, kann übrigens sich im Archiv des Kress-Reports eine eigene kleine Selbstdarstellung selbst basteln. Unter http://www.kress.de/kopfe/index.html findet sich ein Formular, in dem der Medienarbeiter alles Wissenswerte über sich einträgt, und, klick! Schon sind auch Sie im Internet.