Die Buchstabenkombination kann viel bedeuten: BMDI. Das kann die Abkürzung für "Bund der mitteldeutschen Industrie" sein. Oder: "Basis der marxistisch-demokratischen Initiative". Oder: "Bundesministerium des Inneren". Auf die Website des letztgenannten kam bis gestern, wer die Internetadresse bmdi.de in seinen Webbrowser eingab.
Oder glaubte es zumindest. Denn die Website, die für einige Tage unter dieser Adresse zu finden war, sah dem Online-Angebot des Innenministeriums zum Verwechseln ähnlich. Indes: Sie war es leider nicht. Vielmehr handelte es sich um einen Fake, den die Wiener Künstlergruppe "ubermorgen.com" ausgeheckt hatte, um auf eine Aktion des Regisseurs Christoph Schlingensief aufmerksam zu machen.
Neonazis als Statisten
Der probt nämlich zurzeit in Zürich an einer Inszenierung von Shakespeares "Hamlet", bei der ehemalige Neonazis als Statisten mitwirken und dadurch "integriert" werden sollen. Das erinnert entfernt an das "Aussteigerprogramm" für Neonazis, welches Innenminister Otto Schily unlängst vorgestellt hat. Offenbar sollte die entführte Website eine Anspielung auf dieses Aussteigerprogramm sein - und gleichzeitig Reklame für Schlingensiefs "Naziline". Schon auf der Eröffnungsseite prangte eine Pressemitteilung mit der Überschrift: "Bundesinnenministerium des Inneren unterstützt europäisches Nazi-Line-Programm."
Was genau der Zweck der Übung war, wusste allerdings noch nicht einmal Elisabeth Haas von ubermorgen.com zu sagen, die zu den Urhebern der Aktion gehört. Nach dem Sinn der Website-Entführung gefragt, kam sie erst mal selbst ins Grübeln, bevor sie als Erklärung anbot, man habe dem Bundesinnenministerium "zur Seite stehen" wollen.
Darauf verzichtete das Ministerium, das unter bmi.bund.de im Netz zu finden ist, freilich gerne und ließ ubermorgen.com durch einen Justiziar abmahnen. Die Gruppe reagierte prompt und nahm die Seite aus dem Netz, ohne das viele Internetuser sie gesehen hätten. Wer jetzt die Internetadresse bmdi.de ansurft, findet dort nur noch eine Fehlermeldung. Laut Elisabeth Haas soll die Website "in ein paar Tagen" wieder online sein.