Ein Zombie am Neuen Markt // Kim Schmitz soll Insidergeschäfte mit Aktien von Letsbuyit. Com geführt haben. Die Internet-Firma stand Anfang 2001 kurz vor der Pleite, als Schmitz verkündete, er werde das Unternehmen finanziell unterstützen, weil er von dessen Geschäftsmodell überzeugt sei. Auch andere Geschäftsleute investierten in den "Zombie am Neuen Markt" (Telebörse). Der Kurs stieg; Schmitz soll die Aktien, die er für 375 000 Euro gekauft hatte, für 1,5 Millionen Euro verkauft haben.

Jetzt wird Schmitz vorgeworfen, durch Missbrauch von Insiderwissen profitiert zu haben. Dabei soll er "eine bestimmte Tatsache, die nur ihm bekannt war und die sich kurssteigernd auswirkte", ausgenützt haben, sagt der Münchner Oberstaatsanwalt Manfred Wick.

Schmitz bestreitet die Vorwürfe. Da er nicht in der Geschäftsführung der Firma gewesen sei, habe er auch keine Insiderkenntnisse gehabt. Nun wird das Ermittlungsverfahren gegen ihn fortgesetzt.

Kim Schmitz Website www. kimble. org DDP Ein Mann wie ein Wolkenkratzer - nein, wie zwei Wolkenkratzer: Kim Schmitz alias "Dr. Kimble" vor den Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur.

BERLIN, 22. Januar. Wem die Götter alles nehmen wollen, dem nehmen sie zuerst den Verstand. Wem das passiert ist, der krönt sich selbst zum "King Kimble the First", und teilt das aller Welt auf seiner Website mit - bevor "Seine Königliche Hoheit" aus dem Flieger heraus verhaftet und in Untersuchungshaft genommen wird.

Seit Dienstagmorgen sitzt der 28-jährige Ex-Hacker und Internet-Geschäftsmann Kim Schmitz in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Um 7.35 Uhr war der Dreizentner-Mann mit einer Lufthansa-Maschine aus Frankfurt am Main am Münchner Flughafen gelandet. In einen hellen Schlabberanzug gekleidet, ging Schmitz die hintere Gangway hinunter. Am Ende der Stufen wurde er von mehreren Polizisten in Gewahrsam genommen und in einen dunkelroten Lieferwagen mit verdunkelten Scheiben verfrachtet.

Auf der Flucht

Der 28-Jährige, der sich nach dem Helden der TV-Serie "Auf der Flucht" Dr. Kimble nennt, hat es seinem Namensvetter gleichgetan: wochenlang flüchtete er vor der deutschen Justiz, die wegen Insiderhandels gegen ihn ermittelt. Zunächst sollte er angeblich in Brasilien, dann in der Schweiz sein. Am Freitag wurde er schließlich in Bangkok festgenommen.

Dort war er in einem Luxushotel abgestiegen und behauptete in Interviews, dass er auf der Flucht vor Münchner Zuhältern sei, vor denen ihn die deutsche Justiz angeblich nicht schützen wolle. Tatsächlich schuldet er offenbar einem Bordellbesitzer viel Geld, das er sich im vergangenen Jahr geliehen hatte, um mit Freunden und einem Kamerateam in gemieteten Ferraris nach Monaco zu düsen.

Das Wochenende musste Schmitz in einem Gefängnis in Bangkok verbringen. In einem Anruf bei RTL beklagte sich Schmitz, der einst Besitzer eines Privatjets und einer Hochseeyacht war, über die überfüllten Gefängniszellen und die "Tausende von Kakerlaken". Nun sitzt er in Deutschland ein.

Mit seiner Verhaftung endet vor- aussichtlich für immer eine der merkwürdigsten Blitzkarrieren des letzten Jahrzehnts. Schmitz hatte es als Unternehmer weit gebracht, wenn man ihm glauben wollte. Angeblich war er Millionär, betrieb in München eine Internet-Investment-Firma und schwadronierte sich durch Fernsehsendungen wie die "Harald-Schmidt-Show" und "III nach Neun". In Interviews verglich er sich mit Bill Gates; auf seine Börsentipps hörten seriöse Anleger.

Nicht schlecht für einen ehemaligen Hacker, der 1998 wegen Betrugs, Datenausspähung und Computermanipulation zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Schmitz soll gemeinsam mit einem Komplizen unter anderem in den Rechner des Deutschen Beamtenbundes eingedrungen sein. Dabei habe er geheime Dokumente wie einen Briefwechsel mit dem damaligen Bundeskanzler Kohl ausgespäht.

An das Hacken will Schmitz über Computerspiele gekommen sein. Doch viele der Geschichten, die über seine Hackeraktivitäten kursieren, hatte er selbst in die Welt gesetzt. Von seinem Einbruch in die Rechner der Nasa ist dort nichts bekannt. Auch die 20 Millionen Dollar, die er von einem Konto der CitiBank auf das von Greenpeace verschoben haben will, sind bei der Organisation nie eingetroffen - das gibt es nur in dem Hollywoodfilm "Sneakers". Im "Spiegel" behauptete ein ehemaliger Freund, dass er hinter allen von Kimbles Hacks gesteckt habe: "Kim kann nicht eine Zeile programmieren." Das kann schon sein: Als er zehn Millionen Dollar auf die Ergreifung von Osama Bin Laden aussetzte und eine eigene "Cyber-Task-Force" aufstellte, wurde deren Website sofort gehackt.

Aus heutiger Sicht wirkt Schmitz wie eine typische Figur der 90er-Jahre, der Zeit von Spaßgesellschaft und Internet-Hype. Das selbst ernannte Hacker-Genie Schmitz beeindruckte Geschäftsleute und Journalisten mit seinen angeblichen Computerkenntnissen. Der TÜV Rheinland kaufte gar seine erste Firma Data Protect, die ausgerechnet Informationssysteme sicherer machen sollte. Inzwischen ist sie pleite.

Sein neues Unternehmen "Kimvestor" verbreitete zwar viel heiße Luft über visionäre Geschäftsideen, aber durch große Gewinne wurde die Firma nicht bekannt. Ein Börsengang des "Internet-Inkubators" wurde im vergangenen Jahr heimlich, still und leise abgesagt.

Reise mit dem "Teppichluder"

Dafür war Schmitz immer wieder in Klatschmagazinen und TV-Reportagen über das Leben der Schönen und Reichen zu sehen. Zeitweilig in Begleitung des "Teppichluders" Janina Youssefian reiste er im Privatjet nach Monaco, Brasilien oder Kuala Lumpur, meist eskortiert von einer feierfreudigen Entourage von Freunden, die sich von Schmitz freihalten ließen.

Damit dürfte es nun vorbei sein. In Deutschland warten auf Schmitz ein Strafbefehl wegen Kapitalanlagebetrugs und die Ermittlungen wegen Insidergeschäften. "König Kim" regiert nur noch auf Schmitz Website im Internet.