Die Band Kraftwerk nimmt sich nicht ohne Grund wichtig. Ohne Kraftwerk gäbe keinen Techno, keinen Electro-HipHop, keinen Synthie-Pop. Kein Wunder, dass die Band die letzten zwanzig Jahre mit der Werkpflege verbracht hat und ihre zweifellos epochale Musik aus den 70er- und frühen 80er-Jahren wieder und wieder auf den neuesten Stand der Techik bringt. Erst wurden die einst mit analogen Synthesizern eingespielten Songs für das Album "The Mix" von 1991 digitalisiert und im damals populären frühen House-Sound neu aufgenommen. 2009 erschien dann das Hauptwerk auf digital neu gemasterten CDs.

Die Kraftwerk-Mitglieder hatten sich um 1970 lange genug zumindest im Umfeld von Düsseldorfer Kunstakademie und Konservatorium aufgehalten, um gelernt zu haben, dass es das ultimative Ziel eines jeden Künstlers sein muss, in den musealen Kanon Es folgten daher Auftritte im Museum of Modern Art in New York, in der Tate Gallery in Lodon und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, wo mit stoischer Pedanterie pro Abend eins der aufgepeppten Alben zur Wiederaufführung gelangte.

Die 3D-Videos, die bei Konzerten im Hintergrund zu sehen sind, werden nun als eigenständige Werke in der Berliner Galerie Sprüth Magers gezeigt. Man sitzt mit einer Pappbrille vor drei Videoprojektionen, die wie ein Flügelaltar angeordnet sind, und fragt sich, warum eine Band, deren Musik die Zukunft verkörpern will, eigentlich ihre ganze Ikonografie aus der Vergangenheit zusammengetragen Der lange eingestellte Trans-Europa-Express fährt in einer Art-Déco-Version in Schwarz-Weiß auf den Betrachter zu, und zu dem Stück "Tour de France" gibt es Archiv-Bilder, die aus den 50ern stammen dürften.

Von der Dreifach-Projektion macht die Installation (falls das überhaupt der richtige Ausdruck für diese Dauervorführung von einem Videohintergrund ist) kaum Gebrauch. Die Filme zeigen in ihrer Einfachkeit, dass die fotorealistischen 3D-Filme den dreidimensionalen Effekt gar nicht richtig ausnutzen. Erst bei simplen grafischen Elementen wie den Buchstaben vor Mustern, die immer wieder in den Videos auftauchen, entsteht eine Raumillusion, die an ein Stereoskop erinnert. Das ist immerhin eine Erkenntnis, die man aus dieser Ausstellung mitnehmen kann.

Die andere Erkenntnis ist, dass Kraftwerk - die sich immer als Produktionsunternehmen des postindustriellen Zeitalters präsentiert haben - ein Prinzip der Medienentwicklung im digitalen Zeitalter gut verstanden haben: Man muss nichts Neues mehr Es genügt, das, was es schon gibt, immer wieder in immer neuen Versionen auf allen verfügbaren Kanälen unter die Leute zu bringen.

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Kraftwerk bis 31. August, Galerie Sprüth Magers, Oranienburger Straße 18.

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Foto: Wann kommt die Kraftwerk-Tapete?