Es ist nicht Sinn einer schulischen Computerausbildung zu lernen, wie man die Programme eines bestimmten Onlinedienstes benutzt.

Die Telekom hat einen neuen Werbepartner. Nach Manfred Krug, der die Einführung der Telekom-Aktie werblich begleitete, unterstützt nun Bundeskanzler Schröder den ehemaligen Staatskonzern in der Öffentlichkeit: "Wirklich sensationell" sei das Angebot der Telekom, alle 40 000 Schulen in "Das ist ein Stück gesellschaftlicher Verantwortung eines großen deutschen Unternehmens, das Schule machen könnte."

Doch bevor die Begeisterung überschäumt, sollten Schröder und die deutschen Schulen die Details dieses Angebots prüfen. Nur weil etwas umsonst ist, ist es nicht automatisch gut oder politisch wünschenswert. Dass ein Konzern für die Online-Versorgung der deutschen Schulen zuständig sein soll, ist selbst in neoliberalen Zeiten ein zweifelhafter Segen.

Dass es bildungspolitisch geboten ist, die deutschen Schulen online zu bringen, wird kaum noch jemand bestreiten. Aber muss diese Aufgabe einem Sponsoren, der noch dazu in einem hart umkämpften Markt operiert, überlassen werden? Ist Bildungspolitik nicht in erster Linie die Sache des Staates? Und sollte man so wichtige Dinge wie die Interneterziehung einer ganzen Schülergeneration leichtfertig vom guten Willen eines Wirtschaftsunternehmens abhängig machen?

Dass es nicht reiner Altruismus ist, der die Telekom zu ihren Wohltaten treibt, hat Telekom-Chef Ron Sommer gestern in dankenswerter Offenheit erklärt: Die Initiative "Schulen ans Netz", an der sich die Telekom seit drei Jahren beteiligt, sei Teil

Die "Förderung der Online-Nutzung und der Internet-Kompetenz in Deutschland" wird von der Telekom und ihrer Tochter T-Online durch "ein immer günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis und durch Initiativen, die immer mehr Menschen an das Netz der Netze Nota bene: dem Markt geschuldete Gebührensenkungen und Initiativen wie "Schulen ans Netz" haben bei der Telekom den gleichen Stellenwert.

Und das aus gutem Grund: je mehr Menschen Erfahrung mit dem Internet haben, desto mehr potenzielle Kunden hat T-Online. Besonders schön für das Unternehmen ist es natürlich, wenn diese Kunden schon in der Schule ihre Internet-Sozialisierung über den Onlinedienst der Deutschen Telekom erfahren.

In der Vergangenheit sind Softwarekonzerne wie Microsoft gerne als Wohltäter aufgetreten, indem sie ihre Programme Schulen kostenlos zur Verfügung stellten. Nach einer Einführungsphase und nachdem die Software auf allen Schulrechnern installiert war, kassierten sie dann doch Lizenzgebühren. Mal abgesehen von den Kosten, die die Schulen zu tragen hatten es ist nicht Sinn einer schulischen Computerausbildung zu lernen, wie man die Programme einer bestimmten Firma oder eines Onlinedienstes benutzt, sondern wie man kritisch mit Rechner und

Bevor man das Angebot der Telekom als "sensationell" bezeichnet, sollte man darum erst mal das Kleingedruckte lesen. Müssen die deutschen Schüler sich in Zukunft mit T-Online-Software durchs Internet bewegen? Landen sie jedes Mal, wenn sie ihren Browser öffnen, auf den "Portalseiten" von T-Online, wo ihre "Klicks" den Preis der Werbung in die Höhe treiben? Und vor allem: bis wann gilt dieses großzügige Angebot eigentlich? Eine Laufzeit des Engagements wurde von Ron Sommer nicht genannt. Solche Details müssen im Sponsorenvertrag genau geklärt werden.

Vorsicht ist auch deswegen geboten, weil T-Online an die Börse gehen will und darum jede Unternehmensentscheidung auf ihre Rentabilität geprüft wird. Sollten sich gute Taten wie "Schulen ans Netz" nicht rechnen und der Aufwand von 125 Millionen Mark nicht zu einem bezifferbaren Ergebnis führen, könnte es mit den Wohltaten bald vorbei sei. Schulen, die aus ihrem eigenen Etat keinen Internetanschluss bezahlen können, müssten die neu angeschafften Internet-Rechner dann zum Surfen im Schulteich benutzen.

Ob über die Internet-Ausbildung von Schülern hier zu Lande künftig nicht mehr im Kultusministerium, sondern vom Sponsor entschieden wird, sollten sich Kanzler Schröder und die deutschen Bildungspolitiker noch gut überlegen.