“Sets of instructions“

Zu einigen neueren Computerprogrammen von Künstlern

Von Tilman Baumgärtel

Hallo!

Ich möchte in diesem Vortrag eine Reihe von Kunstprojekten vorstellen, die aus dem engren Thema dieses Panels ein wenig herausfallen. Es handelt sich um Software von Künstlern; keine Grafikprogramme, keine Mal-Software sind, sondern Programme, die wirklich selbst als Kunst gedacht sind. Die meisten von ihnen kann man umsonst aus dem Internet herunterladen, nur einige kosten Geld.

Die Software von Künstlern, die in diesem Essay beschrieben wird, sind potentiell für jeden Computerbenutzer erhältlich und benutzbar. Wenn man Kunstterminologie benutzt, sind diese Software-Kunstwerke Multiples in unbegrenzter Auflage; so wie die kleinen Objekte, die von Künsltern seit den 60er Jahren als Mittel hergestellt wurden, um möglichst vielen Menschen den Kunstbesitz zu ermöglichen. Demokratisierung der Kunst.

Wenn man Computerterminologie benutzt, sind sie Freeware, Gratis-Software von fanatischen Programmierern; wenn man realistisch ist, sind sie schneller vergessen, als sie programmiert wurden, weil sie für Betriebssysteme geschrieben wurden, die schon bald wieder obsolet sein werden. Sie sind zum größten Teil im Umfeld der Netzkunst-Szene entstanden, aber fast alle laufen auf dem eigenen PC; sie brauchen das Internet meist nicht als Bedingung, sondern nur als Möglichkeit (obwohl die meisten der Künstler, die sie geschrieben haben, auch im Internet aktiv sind).

Im Kern sind diese Programme vor allem eins: „sets of instructions“, also eine Reihe von Befeheln, Computerbefehlen. Darin gleichen sie den künstlerischen Handlungsanweisungen, mit denen Fluxus- und KonzeptkünstlerInnen wie Yoko Ono oder Sol LeWitt gearbeitet haben. Acu die waren im Kern „sets of instructions“ – genauso so wie die aneinandergereihten Befehle, aus denen ein Computerprogramm besteht.

Diese Arbeiten sind keine Kunst, die mit dem Computer geschaffen wurde, sondern Kunst, die im Computer stattfindet; keine Software, die von Künstlern programmiert wurde, um autonome Kunstwerke hervorbringen, sondern Software, die selbst das Kunstwerk ist. Bei diesen Programmen ist nicht das Resultat entscheidend, sondern der Prozess, den sie im Rechner (und auf dessen Monitor) auslösen. In diesem Sinne nehmen sie ein Thema der zeitgenössischen Kunst auf, in der zunehmend weniger das zählt, was sie am Ende hervorgebracht haben (und in vielen Fällen kommen sie nie zu so einem „Ende“), sondern vielmehr der Vorgang selbst, den sie ausgelöst haben.

Diese künstlerischen Software-Projekte sind (wie jede Art von Software) eine „time-based art“. Sie gehen weiter und weiter und weiter, solange der Rechner an ist (und manchmal auch, wenn er ausgeschaltet ist) oder solange sich jemand mit ihnen beschäftigt. Die Programme von Künstlern, um die es in diesem Text geht, gehorchen einer generativen Ästhetik, sie hören sie nicht auf weiterzumachen, solange Strom und ein Computer da sind. Dadurch entziehen sie sich der Repräsentationslogik des gegenwärtigen Kunstbetriebs. Auszustellen gibt es bei diesen Arbeiten nichts mehr; die meisten von ihnen sind „Stand-Alone-Applications“, die umsonst aus dem Internet heruntergeladen werden können und auf der Maschine des individuellen Users laufen. Gleichzeitig sind sie auch ein Stück „Public Art“, dass allerdings nicht mehr im öffentlichen Raum, wie er traditionellerweise verstanden wird, existiert, sondern an einem immateriellen Nicht-Ort: auf der grafischen Bildschirmoberfläche des Rechners.

Als erstes „Ever Icon“ von John F. Simon: in Java geschrieben;

Radikal und grundsätzlich geht zum Beispiel „SoftSub“ von dem kalifornischen Kollektiv C5

an den Rechner heran:

http://www.c5corp.com/softsub/

die Software, die es wahlweise als Bildschirmschoner oder als eigenständiges Programm gibt, unterzieht die Festplatte des Benutzers einer quantitativen Analyse. Wenn der Rechner einige Minuten lang nicht benutzt wird, schaltet sich das Programm automatisch an, und beginnt den Computer zu durchsuchen und die gefundenen Dateien in einer abstrakten Grafik zu visualisieren. Darin unterscheidet es sich kaum von Festplattenanalyse-Software wie „ScanDisk“, die mit „Windows“ ausgeliefert wird. Die Grafik, die so entsteht, fehlt freilich, im Gegensatz zu der Festplatten-Überprüfung von „ScanDisk“, jeder Gebrauchswert: die Datenverteilung im Computer wird in grünlichen Feldern auf den Bildschirm gemalt. Wie ein U-Boot, dass der Arbeit auch den Titel gegeben hat („Sub“ ist eine Abkürzung für „Submarine“) bewegt sich das Programm über die Partitionen der Festplatte, und sammelt Daten.

Mit der Arbeit wollen die Künstler „eine nicht-kausale und nicht einem Darstellungsmodell verpflichtete Art der Repräsentation von Wissen“ zeigen. Ihr Programm betrachten sie als eine neue Methode, um Daten zu organisieren und zugänglich zu machen: „Es besteht ein großer Bedarf für neue Techniken und Instrumente, um den Menschen automatisch und interaktiv bei der Analyse von komplexen Daten zu helfen und dabei nützliche Informationen zu entdecken.“ Freilich ist „SoftSub“ keine Nutzen-orientierte Software, sondern ein Kunstprojekt. Um „nützliche Informationen“ zu finden, hilft es herzlich wenig. Mit „SoftSub“ die Festplatte nach Daten durchsuchen zu wollen ist etwa so, als würde man versuchen, sich mit einem topologischen Atlas auf der Autobahn zu orientieren. Aber „Nützlichkeit“ sollte man von einem Kunstwerk nicht erwartet, auch wenn es so tut, als sei es ein Diagnoseprogramm für Computer.

Weitere Beispiele:

http://www.maryflanagan.com/virus.htm

http://www.twoFiveSix.co.uk/snd/

So untergründig und für viele Computerbenutzer wohl auch schwer nachzuvollziehbar „SoftSub“ seine Runden durch die Informationen auf der Festplatte zieht, so unzweideutig

und „in your face“ ist das Programm „OSS“

http://oss.jodi.org

von dem Künstlerduo Jodi aus Holland. Die Arbeit besteht aus sieben kleinen Programmen, die von rätselhaften schwarzen Icons repräsentiert werden und kryptische Namen wie „%20“ oder „(Reset“ tragen. Wer auf eins der Symbole klickt, denkt danach wahrscheinlich, der Computer sei kaputt: weißes Rauschen zieht über den Bildschirm, nur gelegentlich taucht ein Zeichen auf, das entfernt an bekannte Computer-Symbole erinnert. Wahlweise kann man seinen Windows-Rechner auch in einen verhaltensgestörten Macintosh-Computer verwandeln, der bei jedem Mouse-Klick unverständliche Silbenfetzen von sich gibt oder den Desktop mit sinnlosen „Windows“ und „Pop-Up-Menüs“ füllt.

Jodi machen aus dem Computer wieder das unbekannte Wesen, dass er eigentlich immer war. Wer jemals geglaubt hat, dass er seinen Rechner unter Kontrolle hat und mit Mouse-Clicks bedient, wird hier eines besseres belehrt hat. Jodis „OSS“ demonstriert, dass es nicht die User sind, die den Computer benutzten, sondern umgekehrt der Computer seine Benutzer konditioniert und benutzt. Wie der berühmte Science-Fiction-Computer „HAL“ aus Stanley Kubricks Film „2001 – A Space Odyssee“ entwickelt der mit Daten von Jodi infizierte PC ein böswilliges Eigenleben, und wirkt auf den befremdeten Nutzern plötzlich, als sei er ein Wesen mit einem eigenen und sehr unguten Willen.

John Cage hat sich einen Computer gewünscht, der einem nicht dabei hilft, bei der Erledigung der eigenen Aufgaben Zeit zu sparen, sondern im Gegenteil dafür sorgt, dass diese Aufgaben noch mehr Zeit beansprucht. Jodi haben ihm gewissermaßen posthum diesen Wunsch erfüllt: sie machen aus dem Rechner eine Maschine zur sinnlosen, unproduktiven Zeitverschwendung. Daher ist es wahrscheinlich auch kein Wunder, dass sie ihre Aufmerksamkeit in der letzten Zeit verstärkt Computer-Spielen zugewandt haben.

http://sod.jodi.org

In ihrer Version des Spiels „Wolfenstein“ haben Jodi aus dem Game alles entfernt, was gegenständlich ist. Das Spiel, das bei Computerspiel-Fans gerade wegen seiner ausführlichen und detailfreudigen Darstellung von Mord und Totschlag beliebt war, ist nun zur einer mysteriösen Schwarzweiß-Landschaft geworden, bei dem man nur selten erkennen kann, was einen da gerade jagt oder den Weg versperrt. Das Schloss mit den verschlungenen Gängen, durch die man den Weg zum Ausgang finden muss, sieht aus wie eine Galerie in der nur Kopien von Malewitschs „Schwarzem Quadrat“ an den Wänden hängen; die Nazis sind zu schwarze Dreiecke geworden, die man nur noch daran erkennt, dass sie gelegentlich „Achtung!“ schreien. Auch einer Version des First-Person-Shooters-Spiels „Quake 1“ haben Jodi jedes Leben ausgetrieben: bei „CTRL-SPACE“

manövriert sich der Nutzer durch ein flackerndes Schwarzweiß-Interieur ohne erkennbare Ausstattung: „Es sieht aus wie ein Op-Art-Gemälde, in das man hineinsteigen kann“, findet Dirk Paesmans von Jodi

.

Eine andere Art vom zielgerichteten Missbrauch existierender Computer-Technologie sind die Browser von Künstlern, die in den letzten beiden Jahren in so großer Zahl entstanden sind, dass man – wie bei den „Gamespatches“ – fast schon von einem eigenen Subgenre der gegenwärtigen Netz- und Computerkunst sprechen kann. Das bekannteste derartige Projekt ist zweifelsohne der „Web Stalker“, der Londoner Künstlergruppe I/O/D

www.backspace.org/iod

der im Mai 2000 den „WebbyAward“, eine Art Internet-Oscar, in der Kategorie „Internetkunst“ gewonnen hat. Mit dem Programm kann man durch das Internet „surfen“, wie mit dem „Netscape Navigator“ oder dem „Microsoft Explorer“, doch im Gegensatz zu diesen kommerziellen Programmen zeigt der „Web Stalker“ genau das, was „normale“ Browser zu verbergen versuchen. Statt schön gestalteter Websites sieht man mit dem „Web Stalker“, was unter dieser Oberfläche liegt: den Code, in dem die Seiten geschrieben wurden und die Struktur der Websites, die in komplexen Diagrammen auf dem Bildschirm erscheinen.

Matthew Fuller von I/O/D hat das Programm mit Gordon Matta-Clarks Dekonstruktion von leerstehenden Häusern in den 70er Jahren verglichen. Mich erinnert der „Web Stalker“ eher an die gelochte Postkarte von Yoko Ono, die bis vor einigen Jahren unter dem Titel „A hole to see the sky through“ in der Edition Staeck erhältlich war. So wie Onos Karte zu einem neuen, unvoreingenommenen Blick auf dem Himmel, den man täglich sieht, ohne ihn wahrzunehmen, einlädt, so erlaubt auch der „Web Stalker“ eine Perspektive auf das WorldWideWeb, der sich von den Oberflächenphänomen frei macht und ihn als das erscheinen lässt, was es ist: eine Ansammlung von digitalen Daten auf Servercomputern, deren Organisation durchaus ihre eigene Schönheit haben.

Die Auseinandersetzung mit und die Kritik an der Metaphorik, die sich um das WorldWideWeb gebildet hat, steht auch bei den anderen Browser-Projekten im Mittelpunkt. Nach herrschender Terminologie „surfen“ wir im „Web“, das – durch die gängigen Programme betrachtet – als aus einer Ansammlung von „Seiten“ („Homepages“) besteht, die auf „Sites“, also an scheinbar physischen Orten gespeichert, liegen soll. Durch die muss man „navigieren“ oder „manövrieren“, und zwar mit Software, die so bezeichnende Namen wie „Explorer“ (Entdecker) und „Navigator“ (Steuermann) hat. Diese fast kolonialistisch anmutenden Metaphern sind freilich nur eine Art Blümchentapete, die überdecken, was wir tatsächlich tun, wenn wir das Web benutzten: wir laden Daten von einem Computer in den Arbeitsspeicher unseres eigenen Computers.

Kunstbrowser wie der „Web Stalker“ oder „reconnoitre“ von Tom Corby and Gavin Baily

http://www.reconnoitre.net

wollen der gängigen Netzmetaphorik widersprechen: das Programm will keine Webseiten zeigen, sondern das „Surfen“ als Aktivität sichtbar machen. Der „Browser“, den die beiden Künstler selbst ironisch als „disfunktionale Software“ beschreiben, zeigt nur einzelne, zufällig auf Websites zusammengesuchte Stichworte, die – weiß auf schwarzem Hintergrund – durch einen scheinbar dreidimensionalen Raum schweben, sich drehen und wenden, und gemeinsam eine automatisch generierte Textcollage ergeben. Einmal gestartet bewegt sich das Programm selbständig durchs Internet, dem „User“ bleibt nichts weiter übrig, als passiv zuzusehen, was sich auf dem Bildschirm entwickelt – für die Künstler ein technologisch erfahrener „Derive“, „ein beiläufiges Schweifen durch den Text, das fragmentarisch, unvollständig und von fröhlicher Zwecklosigkeit ist.“

Auch beim „netomat“

http://www.netomat.net

des New Yorker Künstlerprogrammierer Maciej Wisniewski ist kein Klicken notwendig: das Programm benötigt lediglich ein Stichwort, um aus dem Internet Textzeilen und Bilder zusammenzusuchen, die auf dem Bildschirm zu einer arbiträren Collage zusammengefügt werden. Der Künstler sagt über sein Werk: „Software is nicht neutral. Software schafft eine Weltanschaung. Software strukturiert und beeinflusst die Politik und die Soziologie von Kommunikation. Es organisiert unsere kognitiven Prozesse. In einer vernetzten Welt ist das sehr wichtig, weil es einen grossen Einfluss auf die Distribution und (Re-)Präsentation von Information hat. Wenn man eine bestimmte Software wie den “Internet Explorer“ benutzt, um sich das World Wide Web anzusehen, dann unterstützt man einen bestimmten Blick auf das Netz.“

„The idea becomes the machine that makes the art“, hat Sol LeWitt 1967 in einem berühmt gewordenen Manifest der Konzeptkunst dekretiert

. In den Computerprogrammen von Künstlern der Gegenwart ist diese Vorstellung zu einem radikaleren Ende getrieben worden, als die Generation der frühen conceptual artists mit ihren Handlungsanweisungen und ihren Konzepten (die im Fall von LeWitt längst wieder zu dekorativen Wandmalereien geworden sind) es je zu träumen gewagt hätten. Die Software-Projekte der letzten Jahre führen – im Wortsinn – Dinge aus, die Künstler vor mehr als zwanzig Jahren mit der Schreibmaschine niedergeschrieben hätten - hätten sie denn gewusst, was ein Pentium-III-PC im Jahr 2000 ausrechnen kann.

Doch diesem Essay geht es nicht darum, die Conceptual Art der Sixties zu diskreditieren oder gegen die experimentelle Software der Gegenwart auszuspielen. Es soll auch nicht die Software von Künstlern der Gegenwart – die von traditionellen Kunstbetrieb der Gegenwart hartnäckig ignoriert werden –als High Art nobilitieren werden. Die Programmen, die in diesem Essay vorgestellt werden, könnten zwar durchaus als quasi naturwüchsige „letzte Konsequenz“ bestimmter Tendenzen in der Kunst der Moderne betrachtet werden. Aber sie erschöpfen sich darin nicht. Interessanter ist es, sich diese Software nicht nur als Kunst (und auch nicht als „Anti-Kunst“) anzusehen, sondern als „Nicht-nur-Kunst“, wie es Matthew Fuller von I/O/D nahegelegt hat

. Der Vergleich zwischen der historischen Konzeptkunst aus den späten 60er und frühen 70er Jahren und der Computer-basierten Kunst der Gegenwart offenbart vielmehr ein interessantes Konfliktfeld zwischen der avanciertesten Kunstpraktik der 60er Jahre, der Zeit, in der sich die sogenannte „Informationsgesellschaft“ formierte, und den avanciertesten Kunstpraktiken der Gegenwart, in der diese Informationsgesellschaft zur täglichen – und keineswegs überwiegend erfreulichen – Realität einer Mehrheit der Menschen in der „Ersten“ Welt geworden ist.

Die Software von Künstlern, die in diesem Essay beschrieben wird, sind potentiell für jeden Computerbenutzer erhältlich und benutzbar: sie können umsonst aus dem Internet auf den privaten Rechner heruntergeladen werden. Wenn man Kunstterminologie benutzt, sind diese Software-Kunstwerke Multiples in unbegrenzter Auflage; wenn man Computerterminologie benutzt, sind sie Freeware, Gratis-Software von fanatischen Programmierer.

Die frühen Werke der Konzeptkunst bestanden nicht zu letzt deswegen ausschließlich aus Information, weil sie sich der Produktion von warenförmigen Kunstprodukte, die verkäuflich waren, entziehen wollten. Dass das ein vergebliches – und irgendwie auch anachronistisches – Unterfangen war, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass die Werke der Konzeptkunst sehr wohl wieder zu Produkten geworden sind, mit denen gehandelt und spekuliert werden kann. Dazu haben nicht nur die Künstler selbst beigetragen, die in ihrer Produktion bald dem Kunstmarkt entgegengekommen sind. Dazu dass Kunst, die aus Informationen besteht, doch wieder eine verkäuflichen Waren sein kann, hat auch die Entwicklung des westlichen Kapitalismus der Moderne zu einer postmodernen „Informationsgesellschaft“ beigetragen.

Doch auch wenn die Programmierarbeiten der Gegenwart in gewisser Weise wie Fortsetzungen der Konzeptkunst mit neuen Mitteln wirken, müssen sie keineswegs ausschliesslich als Kunst betrachtet werden. Sie sind „experimentelle Software“, die für jeden interessant ist, der einen anderen Blick auf seinen Computer werfen will. Dass es einen Bedarf danach gibt, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass ein Programm wie der „Web Stalker“ zusammen mit anderen Freeware-Programmen auf verschiedenen CD-Rom-Beilagen von Computerzeitschriften in Großbritannien und Deutschland verbreitet wurde

. Software-Arbeiten von Künstlern können als Kunst betrachtet werden, aber man kann sie auch benutzen (und goutieren), ohne auch nur zu wissen, dass sie Kunst sind. Man muss nicht gleich davon träumen, „daß Macintosh-Interface abzureissen und niederzubrennen“, wie es I/O/D in einem Interview vorschlagen. Aber Programme wie ihr „Web Stalker“ erinnern daran, dass das Bedienen von Microsoft Windows nicht die einzige Methode ist, mit einem Computer zu interagieren; sie machen den Computer wieder ein bisschen unzugänglicher und ein bisschen seltsamer als er uns heute nach dem Willen der Software-Produzenten erscheinen soll. Und das ist gut so.

Fast alle Arbeiten, die in diesem Text vorgestellt werden, können unter den angegebenen Internetadressen heruntergeladen werden und laufen auf einem derzeit handelsübliche PC mit Microsoft-Windows wie dem, den der Autor verwendet.

c5: SoftSub 1.01 (1999)

http://www.c5corp.com/softsub/

Jodi: OSS (1998)

http://oss.jodi.org

Jodi: CTRL-SPACE (1998-1999)

http://ctrl-space.c3.hu/

Vortrag im Musee de l’Art Moderne in Paris am 10. Oktober 1999.

I/O/D: Webstalker (1997)

www.backspace.org/iod

, vgl. auch Kunstforum Nr. 148 (Dezember 1999 – Januar 2000), 106f

Tom Corby; Gavin Baily: Reconnoitre (1998 – 1999)

http://www.reconnoitre.net

Maciej Wisniewski: netomat (1999)

http://www.netomat.net

Email-Interview mit dem Autor

zitiert nach: Lippard, Lucy: Six years; The dematerialization of the art object from 1966 to 1972, Berkeley/Los Angeles/London 1997 (University of California Press), 28

Interview mit Matthew Fuller; in: Baumgärtel: net.art, a.a.O., 153

In Deutschland erschien „Web Stalker“ unter anderem auf einer CD-Rom von DataBecker!

Experimentelle Software

tilman baumgaertel

Tilman Baumgaertel

Experimentelle Software