Interview mit Dr. Klaus Eierhoff, Leiter des Unternehmensbereichs Multimedia bei Bertelsmann Heute geht BOL das Online-Angebot von Bertelsmann ans Netz. Im elektronischen Handel bietet der Güterloher Medienkonzern ab sofort 500.000 deutschsprachige Bücher an, später sollen auch CDs und Videos über das Internet vertrieben werden. Gleichzeitig geht „BOL“ (sprich: B - O - L, nicht: bol) auch in Frankreich an den Start, in den nächsten Moanten sollen Filialen in Großbritannien, Holland und Spanien folgen. Große Überraschungen bot BOL beim Sart nicht. Die Website gleicht bis in Details der vom Konkurrenzunternehmen Amazon.com. Aber durch besondere Orginalität muß sich der Internet-Buchclub auch gar nicht auszeichnen. Solange das Angebot einigermaßen funktioniert, kann man sich bei Bertelsmann auf einen Strom vom Surfern verlassen, die sich von den Sites anderer hauseigener Online-Angeboten zu bol.de durchklicken werden: AOL, Compuserve und alle Websites des Hauses Gruner+Jahr sind alle mit dem Güterloher Medienkonzerns verbunden und haben darum ab sofort Links zu BOL. SPIEGEL-Online sprach mit Dr. Klaus Eierhoff, Leiter des Unternehmensbereichs Multimedia bei Bertelsmann Von Tilman Baumgärtel ?: Um dem Bertelsmann-Konzern zuvor kommt, ist der amerikanische Buchversand Amazon.com bereits im August letzten Jahres in Deutschland ans Netz gegangen. Jetzt kommt Bertelsmann Online (BOL).
Was unterscheidet BOL von seinem schärfsten Konkurrenten? Klaus Eierhoff: Wir wollen erstmal in den Grundfunktionen, den „basic functions and features“, einen guten Qualitätsstandard erreichen und einen stabilen Service aus Sicht der Kunden aufbauen. Parallel arbeiten wir daran, uns ein eigenständiges Profil zu geben. Ich denke da zum Beispiel an „Genre-Site“, die separat ins Netz eingestellt werden, und sich zum Beispiel mit Rockmusik oder mit kriminalistischer Literatur beschäftigen. Dadurch, daß Bertelsmann ja verschiedene Verlage besitzt, könnte sich hieraus eine sehr starke Profilierung ergeben. Wir können uns auch sehr schöne Verbindung zu den Internet-Angeboten der Bertelsmann-Buchclubs vorstellen. Wir werden sukzessive solche Differenzierungspotential aufbauen. ?: Außer dem deutschen „bol.de“ wird es auch in anderen europäischen Ländern einen Bertelsmann-Buchversand geben. Wie wird die Vernetzung zwischen den verschiedenen Angeboten aus der Sicht des Kunden aussehen? Eierhoff: Die BOL-Plattform ist international angelegt. Aber das Angebot muß für die Länder, in denen BOL operiert, angepaßt werden. Deswegen werden wir für jedes Land ein nationales Management einrichten. Wenn ein Kunde in Deutschland sich für spanische Literatur interessiert, kann er aber natürlich auch bei BOL in Spanien bestellen. ?: Im Augenblick gibt es bei BOL nur Bücher, in Zukunft sollen auch Videos und CDs hinzukommen. Denken Sie auch an weitere Angebote in ihrem Ecommerce-Geschäft? Und wie stellen Sie sich die Synergien zwischen diesen Geschäftszweigen vor? Eierhoff: Bertelsmann ist ein Medienunternehmen, darum konzentrieren wir uns in mit unserem Ecommerce-Angebot auch auf Medienprodukte. Ob das langfristig eine Ausweitung erfahren wird, weiß ich heute noch nicht, aber es erscheint mir unwahrscheinlich. Was die Synergien betrifft: Stellen Sie sich vor, sie sind bei „BOL“ und interessieren sich für ein bestimmtes Buch, das Ihnen aber zu teuer ist. Da könnten Sie dann möglicherweise den Hinweis bekommen, daß dasselbe Buch auch im Buchclub zu einem niedrigeren Preis angeboten wird. Vielleicht gibt es auch andere Zusatzinformation. Wenn Sie sich für ein Buch über die „Titanic“ interessieren, bekommen sie dazu den Hinweis, daß es eine Videokassette mit dem Film und eine CD mit dem Song gibt. Da lassen sich viele Verbindungen denken. Ich glaube, an der Verbindung zwischen den verschiedenen Angeboten arbeiten zur Zeit auch unsere Mitbewerber intensiv. ?: Amazon.com bietet unter anderem den portofreien Versand von Büchern aus den USA. Wie wollen sie solche günstigen Angebote kontern? Eierhoff: BOL wird demnächst auch in Großbritannien vertreten sein und in den USA haben wir mit „barnesandnoble.com“ eine Verbindung, so daß wir uns in Zukunft auch einen derartigen Service vorstellen können. Dann müssen wir allerdings noch schauen, wie wir das tarifieren werden. ?: Zum Start hat „bol.de“ eine halbe Million Bücher im Sortiment, das ist nur ein Bruchteil des Angebots, das ein normaler Buchladen besorgen kann... Eierhoff: Wenn wir die Information bekommen, daß von Seiten der Kunden ein Interesse an einer Ausweitung des Sortiments besteht, werden wir dem schnell Folge leisten. Wir müssen verfolgen, wie die Kunden das Produktangebot, das immer nur ein Teilangebot sein wird, annehmen. So ein Sortiment lebt, wie im klassischen Handel auch. Diese laufende Anpassung ist normales Geschäft. ?: Die amerikanischen Anbieter von Ecommerce bekommen oft schlechte Noten in punkto Privacy. Wie sieht es bei BOL mit dem Datenschutz aus? Eierhoff: Einen „separaten Handel“ mit Email-Adressen wird es bei uns nicht geben, und natürlich unterliegen wir den datenschutzrechtlichen Bedingungen. Dies ist ein Distanzgeschäft, das immer auf einem gesteigerten Vertrauen zwischen Anbieter und Käufer basiert. Deswegen gilt für uns hier eine besondere Sorgfaltspflicht. ?: Die deutschen Verbraucherverbände haben gerade moniert, daß man bei vielen deutschen Ecommerce-Anbieter nur per Vorkasse zahlen kann. Wie sieht es bei BOL aus? Eierhoff: Bei BOL kann man auch per Rechnung bezahlen. In den USA bieten viele Händler nur noch die Bezahlung per Kreditkarte an, und ich glaube, daß wir uns auch langfristig in diese Richtung bewegen werden. Warum sollte man das kritisieren? Wenn Sie zum Bäcker gehen, zahlen Sie ihre Brötchen ja auch direkt. ?: Wird es nicht zu einem großen Buchhandlungssterben führen, wenn in ein paar Jahren oder Jahrzehnten der größte Teil des Buchhandels über das Internet stattfindet? Eierhoff: Das glaube ich nicht. Die Umsätze, die dort kommen, werden nicht alle dem traditionellen Buchhandel verloren gehen. Ich glaube eher, daß wir dadurch zusätzliche Umsätze stimulieren werden. Ich sehe einen positiven Netto-Effekt für den gesamten Buchhandel. ?: Im Augenblick gibt es eine Reihe mittelständischer Internet-Buchhändler, die zum Teil auch recht erfolgreich operieren. Wie viele Online-Buchhändler werden langfristig auf diesem Markt überleben können? Eierhoff: Ich glaube nicht, daß wir in diesem Geschäft viele Anbieter haben werden. Dazu ist das Investitionsbedürfnis einfach zu groß. Bertelsmann hat insgesamt 600 Millionen Dollar für den Aufbau seines Internetgeschäfts in den USA und Deutschland bezahlt. Auf dem Online-Buchmarkt wird es meiner Einschätzung nach eine kleinere Anzahl größerer Anbieter geben, die sich den Markt aufteilen - wahrscheinlich drei bis fünf. XInterview mit Klaus Eierhoff, Leiter des Unternehmensbereichs Multimedia bei Bertelsmann