Bei CNN gibt es jetzt ein neues Senderdesign für Berichte über die US-Angriffe auf Afghanistan. Wenn die wichtigsten Neuigkeiten in Schlagzeilen auf dem Bildschirm erscheinen, wabert im Hintergrund ein undurchsichtiger, grau-blauer Nebel. Erkennen kann man nichts, aber dafür sind die Grafiken mit martialischem Kriegsgetrommel unterlegt.
Wer unvorbereitet in diese dunkle Suppe hineinzappt, könnte das Gewölk durchaus für Bilder vom Krieg gegen Afghanistan halten. Denn die wenigen Aufnahmen, die es von den Angriffen auf Afghanistan gibt, zeigen kaum mehr als Gewaber. Während der ersten Angriffe auf Kabul liefen bei den Nachrichtensendern zum Teil für mehr als eine halbe Stunde grünstichige Aufnahmen, die ein Kameramann bei Nacht mit einem Videotelefon von einem Berg bei Kabul aufgenommen hatte. Wer wollte, konnte in dem grünen Leuchten Raketen erkennen, die auf die afghanische Hauptstand abgeschossen wurden. Aber einem - von Moderatoren und medialem Kontext - unvorbereiteten Auge hätten die quasi abstrakten Bilder auch als Ultraschallaufnahmen oder als meteorologische Satellitenaufnahmen erscheinen können.
Dass der Krieg gegen Afghanistan ein Krieg ohne Bilder ist, liegt an dem angegriffenen Land. Dass die USA kein Interesse daran haben, Bilder von Bombeneinschlägen, toten Soldaten oder gar zivilen Opfern zu zeigen, ist nachvollziehbar; diese Taktik wurde schon im Golfkrieg mit Erfolg eingesetzt. Den Taliban fehlen alle Mittel, um auf die klinisch sauberen Bilder der USA mit eigenen Aufnahmen von den Schrecken des Krieges zu antworten.
Denn die afghanischen Herrscher haben sich bewusst und mit Methode ins vollkommene mediale Abseits manövriert. Mit einer erstaunlichen Fantasie haben sie angeblich religiöse Gründen gefunden, um nach und nach alle Medien, mit denen man aus dem Land berichten könnte, zu verbieten. So sind inzwischen neben Computer, Video und Film sogar Musikinstrumente und Spielkarten verboten.
Den Zugang zum Internet haben die Taliban im Juli dieses Jahres untersagt; nach Berichten gab es aber selbst damals maximal 100 Internetanschlüsse im ganzen Land, die alle über Firmen in Pakistan liefen. "Wir sind nicht gegen das Internet, aber es wird benutzt, um Obszönitäten, Unmoral und Propaganda gegen den Islam zu verbreiten", sagte der Außenminister des Regimes, Wakil Ahmed Mutawakil, der in Pakistan ansässigen afghanischen Nachrichtenagentur
Jetzt rächt sich die vollkommene mediale Isolation des Landes. Dadurch unterscheidet sich der Krieg gegen Afghanistan zum Beispiel vom Kosovo-Krieg, bei dem das Internet zum ersten Mal ein wichtige Rolle dabei gespielt hat, wie die Auseinandersetzung international wahrgenommen wurde. Damals konnten die Kriegsopfer aus den Landesteilen, die von der Nato bombardiert wurden, per E-Mail mit dem Rest der Welt kommunizieren. Kriegstagebücher, Berichte über die Angriffe, ja sogar die erste Meldung über die Zerstörung der chinesischen Botschaft in Belgrad kursierten im Netz. Auch wenn die meisten Fernsehbilder von der Nato stammten, so konnten die Bombardierten über das Internet ihre Sicht der Dinge artikulieren.
Afghanistan ist dagegen ein schwarzes Medienloch. Die wenigen Bilder, die aus dem Land kommen, stammen von Al-Dschasira, der als einziger Sender einen Korrespondenten in Kabul hat. Die Taliban können ihre Standpunkte nur per Pressekonferenz in Pakistan der Welt reiten. Und die afghanische Bevölkerung hat gar keine Möglichkeit, sich dem Rest der Menschheit mitzuteilen.
Alles, was man vom "War on Terrorism" im Fernsehen sieht, sind Bilder, von denen wir glauben sollen, dass es sich um Raketen handelt, die auf Afghanistan fliegen. Und dieses verpixelte, grünliche Leuchten mit der schlechten Auflösung. George Bush hat nicht zu viel versprochen, als er sagte, der Krieg gegen den Terrorismus würde zum größten Teil unsichtbar geführt werden.